Wenn Maschinen nicht weiterkommen
Pferde rücken Holz aus anspruchsvollen Waldlagen

Forstwirtschaftmeister Michael Fischer und Revierförster Anton Preischl mit Kaltblut MoritzZoombild vorhanden

Forstwirtschaftsmeister Michael Fischer, Revierförster Anton Preischl und Kaltblut Moritz © Sven Grünert

Vilshofen/ Amberg - Im Wald bei Vilshofen ist derzeit ein selten gewordener Anblick zu bestaunen. Starke Rückepferde sind dort im Einsatz und ziehen schwere Baumstämme aus dem Wald.

Moritz - so heißt das französische Percheron-Kaltblut von Forstwirtschaftsmeister Michael Fischer aus Pilsheim - ist gut ausgebildet und ist in den Wintermonaten mit seinem Besitzer auf Waldflächen mit nassen, befahrungsempfindlichen Böden oder in schwierigen Hanglagen unterwegs. Auch anspruchsvolle waldbauliche Situationen sind ein Einsatzbereich für das Spezialistenteam, um schwere Schäden an der nachwachsenden Waldverjüngung zu vermeiden.

Die kräftige Pferderasse stammt aus dem Nordwesten Frankreichs und wurde für schwere Arbeit vor dem Pflug oder der Kutsche gezüchtet. Moritz bringt rund 1.000 kg auf die Waage und kann dasselbe Gewicht in Form von Baumstämmen ziehen.

Aufwendige Ausbildung als Grundlage

Ein blindes Verständnis zwischen Pferd und Mensch ist entscheidend. Fischer bildet seine Pferde selbst aus. "Die Ausbildung eines Rückepferdes dauert eineinhalb bis zwei Jahre und nicht jedes Pferd ist auch charakterlich für diese Arbeit geeignet", berichtet Fischer. Insgesamt hat der Forstunternehmer vier Pferde, die beim Holzrücken eingesetzt werden können und drei weitere junge Pferde in Ausbildung.

Die Tiere werden zur Winter-Holzeinschlagssaison schrittweise an die Belastung beim Holzrücken herangeführt und erhalten in dieser Zeit eine angepasste Fütterung. Nach der Holzerntesaison muss dann - ähnlich wie bei Profisportlern - ein langsames "Abtrainieren" erfolgen.

Ergänzung durch Maschine

Forstwirtschaftmeister Michael Fischer Und Kaltblut Moritz 2Zoombild vorhanden

Forstwirtschaftsmeister Michael Fischer und Kaltblut Moritz beim Rücken eines Fichtenstammes © Sven Grünert

Neben den Rückepferden ist zusätzlich auch ein leistungsfähiges Holzrückefahrzeug im Einsatz. Warum das, fragt man sich spontan. Bei genauerem Hinsehen wird schnell klar, Pferd und Maschine arbeiten Hand in Hand. Das Pferd zieht die nachhaltig geernteten Baumstämme nur in den sensiblen Bereichen, soweit bis die Maschine übernehmen und die Hölzer weitertransportieren und anschließend stapeln kann.

Auf diese Weise werden mit Hilfe der Pferde sensible Böden und wertvolle Waldverjüngung vor Schäden bewahrt. Dieses Prinzip funktioniert auch in steilen Hanglagen, in denen Wege nicht gebaut und Maschinen nicht mehr fahren können.

Nachhaltiger und schonender Waldumbau

Michael Fischer und Revierförster Anton Preischl vom AELF Amberg- Neumarkt setzen für die zukünftige Waldgeneration auf die natürliche Verjüngung von Kiefer, Eiche, Birke und Fichte und ergänzen diese durch Pflanzung wertvoller Mischbaumarten wie Rotbuche, Weißtanne, Bergahorn und Wildkirsche. So entsteht ein neuer Mischwald, der mit zukünftigen klimatischen Bedingungen besser zurechtkommen sollte und gegen Schädlinge widerstandsfähiger ist. Durch die nachhaltige Entnahme eines Teils der alten, hiebsreifen Fichten und Kiefern gelangen Licht und Wärme zum Waldboden, was für das Wachstum der kleinen Bäume dringend notwendig und für den Nährstoffkreislauf im Waldboden förderlich ist.

Die nachhaltige Nutzung und der Schutz der Wälder in Bayern werden dadurch langfristig gesichert.

Finanzielle Unterstützung für private Waldbesitzer

Eine finanzielle Unterstützung bei Waldumbau- oder Waldpflegemaßnahmen können private Waldbesitzer beim zuständigen Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten beantragen. Auch die Pferderückung wird in besonderen Situationen mit einer Förderung unterstützt.